Lange mit Emmerick-Bund
v.l.n.r: Ferdi Schilles, Angela Pund und Dr. Hendrik Lange

Der Coesfelder Lehrer Dr. Hendrik Lange hat einen Leitfaden erarbeitet, der aufzeigt, wie Anna Katharina Emmerick ab Klasse fünf bis zur Oberstufe Gegenstand im Unterricht sein kann. Das Unterrichtsmaterial bietet nicht nur jungen Menschen einen Zugang zur Seligen, sondern kann auch unabhängig des Schulunterrichts z.B. von interessierten Erwachsenen verwendet werden. 

Das Material legt den Schwerpunkt auf den Religionsunterricht, kann aber auch sehr gut in den Fächern Deutsch, Geschichte oder Medienerziehung verwendet werden. Der Leitfaden sei nicht als Unterrichtsreihe konzipiert, erklärt Lange, sondern bietet den Lehrkräften Impulse. Es könne ein Baustein herausgenommen werden, der passe, so Lange weiter. 

Am vergangenen Freitag hat Dr. Lange sein Material dem Emmerick-Bund e.V. vorgestellt und als PDF >>> übergeben.

Tanzperformance mit Orgelimprovisation zu Texten von Anna Katharina Emmerick. 

Besucher in der voll besetzten Kreuzkirche wurden am Karfreitagabend Zeugen einer ganz besonderen Veranstaltung. Der Dülmener Musiker Bernd Weimann und der Bonner „Lebenstänzer“ Felix Grützner gaben mit ihren Improvsiationen durch Orgelmusik und Bewegung eine ausdrucksvolle Resonanz zu Texten von Anna Katharina Emmerick zur Passion. Der Emmerick-Bund hatte diese Veranstaltung thematisch passend an diesem Karfreitag im Rahmen des Jubiläumsjahres von Anna Katharina Emmerick angeregt.

An Anfang waren viele Zuschauer  irritiert. Die Inszenierung begann mit einer unerwarteten Szene.

Diese schilderte die Begegnung von Maria Magdalena mit dem Auferstandenen am Ostermorgen. 

Im Wechsel zu den von Margarete Domogala und Georg Krawietz vorgetragenen Texten der einzelnen Szenen aus den Visionen von Anna Katharina Emmerick ließ Bernd Weimann auf der Orgel einfühlsam gespielte, wie auch den Szenen entsprechend ausdrucksstarke Klangbilder erklingen, zu denen der Tänzer Felix Grützner den Raum der Kreuzkirche für seine Bewegung nutzte. Immer wieder bewegte er sich am Anfang der einzelnen Szenen vom hinteren Teil der Kirche nach vorne zur Altarinsel oder auf den Stufenberg vor dem Kreuz. Dadurch war die Darbietung keine Aufführung wie auf einer Bühne, sondern hatte eine starke Dynamik, die das Publikum einbezog.

Bei der Verhandlung vor Pilatus wurde das Publikum verwickelt, wurde selbst in der Szene zum „Volk“, das gegen Jesus aufgestachelt worden war. Auch das viele Reden und die Ambivalenzen des Pilatus wurden von Felix Grützner auf eindrucksvolle Weise ausgedrückt.

Im Kontrast zu diesen schnellen Klang- und Bewegungsabfolgen standen die eher langsamen und  von tiefen Gefühlen bestimmten Szenen der Begegnung mit seiner Mutter und mit Veronika. Vor allem die Begegnung mit der Mutter berührte viele Menschen aus dem Publikum tief. Grützner zeigte die tiefe Verbindung der Mutter zu ihrem leidenden Sohn durch eine schlichte Geste ganz unmittelbar: die Mutter wiegt ihr Kind. – Mehr ist nicht zu sagen, der Schmerz war direkt erlebbar.

Die beiden letzten Passions-Szenen veranschaulichten mit der Annagelung an das Kreuz und dem Tod Jesu brutale Gewalt, Schmerz, Angst und Verlassenheit. Hier untermalte Bernd Weimann die tänzerische Darbietung auf intensive, teils auch dramatisch zugespitzte Weise.

Im Epilog wurde die österliche Eingangsszene mit Maria Magdalena und Jesu noch einmal wiederholt. Jetzt erschloss sich für die Zuschauer die anfangs irritierende Eingangsszene neu. Leiden und Tod haben nicht das letzte Wort. Oder wie Felix Grützner es einmal ausgedrückt hat: Es ist ein Lebenstanz, kein Totentanz.

Berührt und bewegt verließen die Menschen an diesem Karfreitag die Kreuzkirche. Sie hatten die Leidensgeschichte auf ganz neue Weise miterlebt.

Text: Ferdi Schilles; Fotos: Georg Winkler

einsA-Magazin

Das intergenerative Zentrum "einsA – Ein Haus für Alle" in Dülmen bringt dreimal im Jahr ein Haus-Magazin heraus, welches mit vielfältigen Beiträgen Informationen rund um das Haus selbst und Interessantes aus Dülmen veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem großen Thema "Heimat". Da liegt es nahe, dass im großen Jubiläumsjahr der Anna Katharina Emmerick auch die Selige in einem umfangreichen Beitrag >>> gewürdigt wird.

Bischof Dr. Felix Genn
Bischof Dr. Felix Genn

… zur Eröffnung des Emmerick-Jubiläumsjahres am 9. Februar 2024 in der Kirche Heilig Kreuz, Dülmen. 

In seiner Predigt am 9. Februar 2024 zeigte Bischof Dr. Felix Genn auf, dass Anna Katharina Emmerick für heutige Menschen ein Vorbild sein kann – auch wenn sie nicht in das gängige Schema eines starken Menschen passt. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen, war nicht im herkömmlichen Sinne gebildet und zwölf Jahre ans Bett gefesselt. Aber sie verstand es den Menschen, die zu ihr kamen, trotz der eigenen körperlichen Schwäche Mut und Zuversicht zu geben.

Die gesamte Predigt zum nachlesen >>>

Festmesse
Festmesse

Auftakt des AKE-Jubiläumsjahres mit vielen Besuchern und Bischof Felix Genn

Bericht und Fotos der Dülmener Zeitung, Claudia Marcy

Das ist ja tatsächlich wie zu Weihnachten“, staunte ein junger Mann, als er zusammen mit Freunden am Freitagabend die Kirche Heilig Kreuz betrat. Und wirklich gab es freie Sitzplätze dort nur noch in den vordersten Kirchenbänken. Viele Gottesdienstbesucher verfolgten daher stehend die Feier, zu der der Emmerick-Bund und die Gemeinde Heilig Kreuz anlässlich des 200. Todestags der seligen Anna Katharina Emmerick (AKE) eingeladen hatten. Es war zugleich der Auftakt des großen AKE-Jubiläumsjahres in Dülmen. Über die volle Kirche freute sich auch Pfarrer Peter Nienhaus von Heilig Kreuz. Damit werde ein Lebenszeichen an einem Todestag gesetzt, sagte er.

Auch Bischof Dr. Felix Genn, der zu dem Anlass aus Münster gekommen war und mit Peter Nienhaus und Diakon Georg Schoofs aus Dülmen den Gottesdienst zelebrierte, zeigte sich von der imposanten Kulisse beeindruckt. „Das hat sich 1824 niemand vorgestellt, dass 200 Jahre nach dem Tod von Anna Katharina Emmerick so viele Menschen zusammenkommen“, sagte er.

In seiner Predigt zeigte der Bischof auf, dass Anna Katharina Emmerick für heutige Menschen ein Vorbild sein kann - auch wenn sie nicht in das gängige Schema eines starken Menschen passt. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen, war nicht im herkömmlichen Sinne gebildet und zwölf Jahre ans Bett gefesselt. Aber sie verstand es den Menschen, die zu ihr kamen, trotz der eigenen körperlichen Schwäche Mut und Zuversicht zu geben. „Die Kirche selber hatte es mit dieser Frau nicht einfach - auf sie zu schauen, sie als Beispiel zu nehmen und zu ehren“, sagte Genn.

„Anna Katharina Emmerick war eine außergewöhnliche Frau, die hier in unserem Leben sehr präsent ist“, bekräftigte auch Carsten Hövekamp mit Verweis auf die vielen Dülmener Einrichtungen, die den Namen der Seligen tragen. Dülmens Bürgermeister sprach Grußworte am Ende der heiligen Messe. Neben ihm gab es weitere prominente Gäste wie Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr oder Dr. Thomas Sternberg, früherer Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Zudem waren Gäste von weither bei der Feier in der Kirche dabei, bei der der Gemeindechor unter Leitung von Elisabeth Drees starke musikalische Akzente setzte: Den ganzen Tag über seien Besucher am Emmerick-Grab gewesen, berichtete Angela Pund vom Emmerick-Bund. Auch sei eine Reihe von Übernachtungen gebucht worden.

Selbst nach der Messe, als sich ein großer Teil der Gäste im Pfarrheim Heilig Kreuz zu Gespräch und Begegnung traf, war das mit Blumen geschmückte Emmerick-Grab nicht verwaist. Immer wieder kamen Menschen dorthin, um Kerzen zu entzünden, zu beten oder um Zettel mit Bitten an die Selige auf ihrem Grab abzulegen.

Das Programm zum Jubiläumsjahr, in dem auch der 250. Geburtstag der Emmerick sowie der 20. Jahrestag ihrer Seligsprechung gefeiert werden, reicht bis in den Herbst und enthält unterschiedliche Veranstaltungen. Bürgermeister Hövekamp ermutigte die Dülmener dazu, sich „auf den Patt zu machen“ und sich mit dem Programm Anna Katharina Emmerick zu nähern.

Deutschlandfunk

Hier wird Geschichte zum Leben erweckt: Das „Kalenderblatt“ von Deutschlandfunk lädt zum Entdecken bedeutender und außergewöhnlicher Menschen und Ereignisse ein.
Am 9. Februar 2024 widmete sich das Kalenderblatt Anna Katharina Emmerick.

Zum Nachhören >>>

Pater Binish überreicht in Indien die Emmerickreliquie
Pater Binish überreicht in Indien die Emmerickreliquie

Rechtzeitig zum diesjährigen Emmerick-Gedenktag konnte Pater Binish Arackal, der lange Zeit in Dülmen tätig war, seinem Heimatkloster im indischen Kerala zwei Emmerick-Reliquien überbringen. Diese hatte Binish kurz vor Weihnachten vom Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, erhalten. Eine erste Reliquie wurde vor wenigen Tagen in der Klosterkirche seines Ordens, der „Misionary society of St. Thomas the apostle“ im Bundesstaat Kerala, feierlich zur öffentlichen Verehrung in einem Seitenaltar deponiert. Die zweite Reliquie wird demnächst in ein Missionskloster in Nordindien gebracht. Die „Missionare vom hl. Apostel Thomas“ schöpfen ihre Spiritualität aus der Verehrung des hl. Thomas, der nach altchristlicher Überlieferung das Evangelium nach Indien gebracht hat. In einer anrührenden Vision schilderte Anna Katharina Emmerick 1821 den Tod der Gottesmutter Maria in Ephesus, zu dem die weit verstreut wirkenden Apostel herbeigerufen wurden: „Thomas war am weitesten entfernt und kam erst nach dem Tod Marias“, notierte Clemens Brentano in dem Text „Von dem Tod der heiligen Jungfrau“. Thomas habe seine Abreise aus Indien verzögert, denn „er wollte immer zu viel tun und kam darum oft zu spät.“ Noch andere Einzelheiten, die den Charakter und das Wirken des Thomas beschreiben, lassen sich im 1852 posthum erschienenen Buch „Leben der hl. Jungfrau Maria“ von Brentano nachlesen. Sympathisch auch die Beschreibung eines indischen Dieners, den Thomas bei sich hatte: „Der einfältige Knecht hatte ein ganz fremdes Aussehen, seine Farbe war bräunlicher als hierzulande.“ Er sei überaus höflich und zuvorkommend gewesen, von kindlicher Zugewandtheit „… und lachte jedermann an.“ – Der Begriff „einfältig“ war in früheren Zeiten nicht despektierlich konnotiert, schon gar nicht durch die Emmerick, sondern eher positiv im Sinne von „nicht zwiespältig“ oder „nicht widersprüchlich“ gemeint. „Diese ungekünstelte Freundlichkeit und fröhliche Hilfsbereitschaft konnten wir auch bei Pater Binish wirklich feststellen“, bestätigt Pfarrer Markus Trautmann. „Die Beziehung nach Indien und der Dienst indischer Priester bei uns in Deutschland geben ein Gespür für die Weltweite der Kirche“, ergänzt er. Mit der Weltkirche zu leben, mache das Leben bunt.

Im Rahmen der Aktion „finde dein licht“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe fand am 3. Februar 2024 in der St. Jakobus-Kirche auf der Karthaus die Veranstaltung „Mit Anna Katharina Emmerick das Licht suchen und finden“ statt.
Der meditative Wortgottesdienst im Kerzenschein war eine gute Einstimmung auf das am 9. Februar 2024 beginnende Emmerick-Jubiläumsjahr.
Die Texte und Lieder thematisierten dabei das Leben und Wirken von Anna Katharina. Darunter waren auch vier Zeugnisse >>> von Menschen, in deren Leben Anna Katharina eine Rolle spielt, zu hören.
Zu den Fürbitten wurden sieben Enmerick-Kerzen entzündet, die am Ende des Gottesdienstes in die sechs Gemeindeteile der Pfarrei St. Viktor und ins Krankenhaus entsendet wurden.
Mit dem Einzelsegen endete der stimmungsvolle Gottesdienst.
 
Mikrofon

Die Morgenandacht im Deutschlandfunk ist als Betrachtung oder Impuls aus christlicher Perspektive zu sehen. Tröstliches, Anregendes, Ermutigendes. Am 25. Januar 2024 sprach Autor Mathias Albracht über Anna Katharina Emmerick.

Zum Radiobeitrag >>>

Pater Binish nimmt Reliquie in Empfang
Pater Binish nimmt Reliquie in Empfang

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk konnte am Dienstag, 19. Dezember 2023, der frühere Dülmener Seelsorger Pater Binish Arackal in Münster in Empfang nehmen: Dort empfing Bischof Dr. Felix Genn den aus Indien stammenden Priester sowie Pfarrer Markus Trautmann und überreichte zwei Reliquien der seligen Anna Katharina Emmerick. „Die beiden Reliquien werden künftig in zwei Kapellen in Niederlassungen meines Ordens in Kerala sowie in Nordindien ihren Platz finden“, erklärt Binish. Als er im Herbst 2022 nach fast zehnjährigem Einsatz das Bistum Münster verließ, äußerte er den Wunsch, die Verehrung der Dülmener Mystikerin in seiner Heimat zu fördern. Die Vergabe von Reliquien obliegt prinzipiell dem Ortsbischof, dieser zeigte Verständnis und ließ zwei Partikel in entsprechenden Schaugefäßen, den Reliquiaren, befestigen. „Anna Katharina ist mir in Dülmen sehr ans Herz gewachsen“, erklärt Pater Binish, allerdings sei sie auch in Kerala keine Unbekannte. „Das Werk ‚Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus‘ ist auch in meiner Muttersprache verbreitet“, so Binish. Anfang des neuen Jahres wird er seinen Heimaturlaub antreten – dann mit wertvoller Fracht im Gepäck. Rechtzeitig zum 200. Todestag der Emmerick am 9. Februar werden sie ihre jeweiligen Bestimmungsorte erreichen.

Glaubensgespräch in Eggerode
Glaubensgespräch in Eggerode

In der Reihe "Eggerode Gespräche – Impulse zum Glauben" referierte Pfarrer Markus Trautmann am 12. Mai 2022 zum Thema: "Wege zum Himmel im Münsterland – Selige und Heilige der Region". In dem Vortrag stellte er einige Glaubenszeugen vor, die immer neue Wege gefunden haben, ihren Glauben zu zeigen und zum Ausdruck zu bringen. Unter anderem gab es Einblicke in die Glaubenszeugnisse von Ida von Herzfeld, Christoph Bernhard Verspoell, Josef Pieper, Bischof Friedrich Kaiser und Hilde Schürk-Frisch. Auch über das Leben und Wirken der Kötterstochter Anna Katharina Emmerick gab Pfarrer Trautmann Auskunft. Dabei betonte er die tiefe Liebe und Verbundenheit zu Gott und von ihrer Zielsetzung trotz vieler Widerstände Ordensschwester zu werden.

Bischof Dr. Felix Genn
Bischof Dr. Felix Genn

Anlässlich des Emmerick-Gedenktages feierte Bischof Dr. Felix Genn am Vorabend zum 9. Februar die heilige Messe in der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen. 

In seiner Predigt führte Bischof Felix drei Punkte an, die uns das Glaubenszeugnis der Anna Katharina Emmerick aufzeigen.

Zunächst berichtete der Bischof, wie er selbst einen Zugang zu Anna Katharina Emmerick gefunden hat. Bevor er Bischof von Münster wurde, habe er als Bischof von Essen die alte Grabkapelle in Dülmen besucht. Damals, so gab der Bischof zu, konnte er mit der Person Emmerick nichts anfangen. Als Bischof von Münster begegnet er aber fast täglich Personen, die Reliquien und Andenken von Anna Katharina Emmerick erbeten. So hat er sich intensiver mit ihr befasst und sich gefragt, was von der Gestalt der Emmerick ausgehe. Es sei das Lebenszeugnis, welches den Bischof berühre, aber auch ihre Verbindung zu dem Arzt Dr. Franz Wilhelm Wesener, der sich als intellektueller und aufgeklärter Mediziner nach der Begegnung mit Anna Katharina bekehrte.
Es komme offensichtlich auf das Zeugnis an, für das Einzelne einstehen. Es brauche Menschen, die Gesicht zeigen, bei allem Chaos und „Drunter und Drüber“, die bekennen, dass sie berührt sind von der Gestalt des Jesus von Nazareth und sich in der Verbundenheit und Gemeinschaft der Kirche wissen, der auch Anna Katharina Emmerick angehörte, so resümierte der Bischof.

Im zweiten Punkt nahm der Bischof Bezug auf das vorher gehörte Evangelium. Auch Anna Katharina spürte eine innere Anziehung, die sie von Jesus nicht losließ. Sie war von Jesus so angesprochen, dass ihr Leben tief von ihm geprägt war und sich bis ins leibliche der Wunden zeigte. Dieses Zeugnis dieser einfachen Frau habe sich auf viele Menschen positiv ausgewirkt, die bei ihr Hilfe und Trost gesucht und gefunden hätten, und wie es das Beispiel von Dr. Wesener gezeigt habe, auch „umgekrempelt“ wurden.

Zum Schluss stellte der Bischof fest, dass wir zwar keine leiblichen Wunden tragen, aber das Christsein manchmal dennoch als schwer empfunden würde, besonders in diesen Tagen. Hier gibt der Bischof den Mitchristen ein Hoffnungswort aus der Lesung mit auf den Weg: „Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns im maßlosen Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit!“ Diese innere Kraft sei stärker als die äußere Aufgeregtheit dieser Tage, so der Bischof weiter.

Schalom Ben-Chorin und Anna Katharina Emmerick
Schalom Ben-Chorin und Anna Katharina Emmerick

Interessante Sicht auf das Alte Testament.

In dieser Woche begehen wir den jährlichen Gedenktag der seligen Anna Katharina Emmerick. Im aktuellen Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ist es einmal angebracht, auch die Dülmener Selige aus eben dieser Perspektive zu betrachten.

Die neutestamentlichen Visionen der „Mystikerin des Münsterlandes“ zum Leben Jesu und seiner Mutter fanden bald nach dem Tod der Emmerick eine weite Verbreitung; die drei entsprechenden Bände sind bis heute den Emmerick-Verehrern ein Begriff. Dagegen blieben ihre alttestamentlichen Visionen lange Zeit ungedruckt und wurden erstmals 1881 unter dem Titel „Die Geheimnisse des Alten Bundes“ veröffentlicht. Diese von Brentano aufgezeichneten Berichte widmen sich der Schöpfungsgeschichte, dem Sündenfall und dem Leben der Patriarchen – bewegen sich also im Rahmen des biblischen Buches Genesis. Wie das Buch Genesis, so enden auch die alttestamentlichen Emmerick-Visionen bei Josef in Ägypten, wohin es den jüngsten Sohn des Jakob bekanntlich verschlagen hatte. In Ägypten heiratete Josef die Nichtjüdin Asenat, die Tochter eines ägyptischen Priesters (Gen 41,45): Von ihr werden die Söhne Ephraim und Manasse geboren, die Generationen später, nach dem „Exodus“ und der Heimkehr ins Gelobte Land, als Stammväter von zwei der zwölf Stämme Israels betrachtet und geehrt werden.

Und genau hier entstand für die „Rabbinen“, also die jüdischen Gelehrten der nachbiblischen Zeit, ein skandalöses Problem: Bis heute gilt man nur dann als jüdisch, wenn man von einer jüdischen Mutter geboren wurde. In dieser strengen Lesart wären laut Auskunft des Buches Genesis bzw. aus Sicht der rabbinischen Schriftauslegung, der Halacha, die beiden Stämme Ephraim und Manasse illegitim gewesen! Ein eigener halachischer Midrasch (Auslegungsspruch) der Rabbinen legte im 2. Jahrhundert n.Chr. fest, das Asenat – also die Gattin Josefs und Mutter Ephraims und Manasses – in Wirklichkeit keine ägyptische Priestertochter war, sondern Frucht einer Vergewaltigung, die an Dina, einer Tochter des Jakob, begangen worden war. Jakob habe Asenat als Enkelin und damit zur Sippe gehörig anerkannt. Indem also Josef seine Nichte ehelichte, wurden Ephraim und Manasse Urenkel Jakobs mütterlicherseits.

Kein geringerer als der renommierte deutsch-israelische Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin (1913-1999) publizierte 1974 eine verblüffende Entdeckung: „Es ist nun überaus merkwürdig, dass die Visionen der Anna Katharina Emmerick und der halachische Midrasch im wesentlichen voll übereinstimmen. Anna Katharina Emmerick teilt ebenfalls mit, dass Asenat die Enkelin des Patriarchen Jakob war, dass Josef seine Nichte geheiratet hat und dass diese durch ein Amulett ihres Großvaters Jakob als sippenzugehörig gekennzeichnet war.“ Für Ben-Chorin ist es ganz ausgeschlossen, dass die Dülmener Mystikerin oder ihr Schreiber Brentano die Übereinstimmungen der Emmerick-Visionen mit einem antiken rabbinischen Midrasch auch nur ahnen konnten. Überhaupt sei es nicht denkbar, „dass die stigmatisierte Nonne und ihr romantischer Sekretär die rabbinischen Traditionen kannten, die selbst den meisten Juden unbekannt sind, da es sich hier um keineswegs verbindlichen Randtraditionen handelt.“ Auch irgendwelche patristische, also altkirchliche christliche Schriften, in denen Brentano möglicherweise irgendwelche einschlägigen Hinweise entdeckt haben könnte, sind nicht bekannt. Für Ben-Chorin bleibt „das frappierende Phänomen einer Übereinstimmung“ der Vision der Anna Katharina Emmerick mit einer Midrasch-Exegese des rabbinischen Judentums zu einer Episode im Buch Genesis, die sich mit der Zwölfstämme-Tradition des Volkes Israel auseinandersetzt. 

Die Literaturwissenschaftlerin Martina Vordermayer relativierte 1997 das Erstaunen des Schalom Ben-Chorin über „Die Geheimnisse des Alten Bundes“ und verwies auf „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“: Tatsächlich hat Brentano diesen Band (im Unterschied zu allen anderen Bänden mit Emmerick-Visionen) mit einem umfangreichen Fußnotenapparat ausgestattet, der zahlreiche Hintergrundinformationen aus der historischen und spirituellen Welt des Judentums bereithält. „Brentano nimmt hier mit Hilfe des Orientalisten Hanenberg, dem ‚Sprachkundigen‘, immer wieder Bezug auf die jüdische Tradition. Konsultiert und teilweise zitiert wird der Talmud, hier speziell die Mischna und das Sota-Traktat, auch die Überlieferung der Kabbala wird herangezogen.“ In diesem Sinne habe „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“ von einer „positiven Adaption jüdischer Gesetzestexte, Traktate und Mystik“ profitiert. Ferner ergebe ein Blick in den Versteigerungskatalog bei der Auflösung von Brentanos Bibliothek 1819, dass dieser verschiedene kulturgeschichtliche und mystische Schriften über das Judentum, exegetische Werke, Reisebeschreibungen aus dem Heiligen Land, hebräische Bibelausgaben sowie hebräische Grammatiken und Wörterbücher besessen habe.

Markus Trautmann

 

Literatur: Schalom Ben-Chorin: Eine alttestamentliche Vision der Anna Katharina Emmerick, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Bd. 26, 1974, S. 334-345 // Martina Vordermayer: Antisemitismus und Judentum bei Clemens Brentano, in: Forschungen zum Junghegelianismus Bd. 4, Frankfurt u. Wien 1999, S. 155f u. S. 167f. 

Abbildung Anna Katharina Emmerick: By Gabriel von Max - Own work, Yelkrokoyade, 16 July 2015, 10:43:27, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45319933
Abbildung: Schalom Ben-Chorin: Von Harald Bischoff - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31486641

Gedenkfeier in der Viktorkirche
Gedenkfeier in der Viktorkirche

Am Montag, dem 9. Februar 1824, starb im Alter von 49 Jahren Anna Katharina Emmerick, die „Mystikerin des Münsterlandes“. Im Beisein einer unüberschaubaren Menschenmenge wurde sie am Freitag, dem 13. Februar 1824, zu Grabe getragen. Einige Gedanken >>> aus dem diesjährigen Gedenkgottesdienst in St. Viktor laden gerade in diesen Tagen zur Betrachtung ein!

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